Winzer, Familienmensch – und Instagrammer mit Erdanklang. Dort, wo andere ein Filter drüberlegen, filmt er lieber echten Morgentau. Und genau so "real" ist auch das Gespräch – zwischen Kaffee, Baustellenlärm und Sauvignon Blanc. Über ein Leben zwischen Weinberg und WLAN. Warum seine Weine keine Solisten sind, sondern ein Orchester. Warum Social Media nicht nur Fluch, sondern auch Lehrlingsmagnet ist. Und wieso ein einziger Korkschmecker ihn mal fast einen Monatslohn gekostet hat.
Winzer, Familienmensch – und Instagrammer mit Erdanklang. Dort, wo andere ein Filter drüberlegen, filmt er lieber echten Morgentau. Und genau so "real" ist auch das Gespräch – zwischen Kaffee, Baustellenlärm und Sauvignon Blanc. Über ein Leben zwischen Weinberg und WLAN. Warum seine Weine keine Solisten sind, sondern ein Orchester. Warum Social Media nicht nur Fluch, sondern auch Lehrlingsmagnet ist. Und wieso ein einziger Korkschmecker ihn mal fast einen Monatslohn gekostet hat.
GEORG HOFFELNER
Wein, Wahrheit oder Pflicht? Der Wein-Podcast der Kleinen Zeitung mit Georg Hofwellner. Lieber Armin, ich grüße dich. Servus. Oder eigentlich, mir sagst du, grüß Gott, ich bin ja bei dir zu Gast. Herzlich willkommen bei uns. Danke. Nächste Episode, Weinpflicht oder Wahrheit steht am Programm. Du bist netterweise mit dabei, freut mich voll.
ARMIN TEMENT
Ja, ganz auf meiner Seite. Also wir machen das ja nicht so oft. Unser Arbeitsgebiet, Arbeitsbereich ist ja normal ganz woanders, aber das sind so die schönen Abwechslungen, sage ich mal.
GEORG HOFFELNER
Ja, ich finde ja, oder? Also ich bin ja eher ein Schreiberling, mittlerweile immer mehr Kamerakind und jetzt muss ich halt auch noch ein bisschen gescheit reden. Aber was gibt es generell alles zum Thema Wein? Deswegen bin ich da. Eich kennt man ein bisschen in der Weinwelt, oder?
ARMIN TEMENT
Ja, wie soll ich sagen? Also natürlich, der Fokus liegt ganz klar in Österreich oder vielleicht auch dort, wo man uns ein bisschen besser kennt, weil meine Eltern, die Generation, die das aufgebaut haben, seit 40 Jahren versuchen, höchste Qualität zu produzieren. Und immer über die Gastronomie, gern gut essen, die Weine damit in Verbindung. Und bekanntlicherweise kommen die Leute ja beim Essen, Trinken, Reden zusammen. Und ja, so kennt man es, würde ich mal sagen.
GEORG HOFFELNER
Das ist ja nicht formuliert, sehr cool. Ich habe es dir schon vorab erzählt, der Podcast heißt Weinpflicht oder Wahrheit. Das heißt, im Laufe dieses Gesprächs, wie gehabt, drei Fragen. Deswegen, wenn du es beantwortest, alles gut, wenn nicht, sponserst du eine Flasche Wein. Und du bist dabei, oder?
ARMIN TEMENT
Ich bin absolut dabei. Ich bin ein bisschen aufgeregt, weil ich kann das spüren nur vom, wie sagt man, Flaschendrehen und was wir sehen, damals noch in der Schulzeit. Aber schauen wir mal.
GEORG HOFFELNER
Die Geschichte ist die, also ich habe mir gedacht, im ersten Schwung stelle ich mal allen die gleiche Frage. Und irgendwann lassen mir andere einfallen. Aber es ist gar nicht so leicht, Fragen zu finden, die man nicht so gern beantworten will. Aber wir starten gleich damit, damit sich das alles ein bisschen auflockert. Sie haben noch sehr früh am Montag, muss man sagen, die Baustelle vor der Haustür. Also wir müssen uns ein bisschen in Schwung bringen.
ARMIN TEMENT
Absolut, Montag ist immer ein wunderbarer Tag, aber man muss das Radl wieder in die Gänge bringen. So ist es.
GEORG HOFFELNER
Ja, Weinpflicht oder Wahrheit, nenne einen Winzer aus der Region oder eine Winzerin, den du überhaupt nicht magst.
ARMIN TEMENT
Aber das ist schon eine harte Frage.
GEORG HOFFELNER
Ja, es ist Montagfrüh. Ja, du musst es ja nicht beantworten, lieber Armin.
ARMIN TEMENT
Also da muss ich wirklich eine Flasche zur Verfügung stellen, weil man hat natürlich in der Kollegenschaft wahnsinnig viele Freunde und auch einige, mit denen man vielleicht nicht so oft zusammenkommt, aber wo man die Orwa sehr schätzt. Und ich glaube, jeder bemüht sich wahnsinnig. Und die Steiermark hat einen super, super Drive und super Weg eingeschlagen. Und ich glaube, da mag man einfach trotzdem alle.
GEORG HOFFELNER
Sehr diplomatisch formuliert, aber die Flasche Wein gehört trotzdem uns. Normal würde ich solche blöden Fragen auch nicht stellen, aber ich habe wirklich lange überlegt, worauf mag man nicht wirklich eine Antwort geben?
ARMIN TEMENT
Also du hast mir nur kurz davor jetzt gesagt, dass es sowas gibt und eben schon gedacht, es wird sicher eine knifflige Frage, aber mit der habe ich nicht gerechnet. Sehr gut.
GEORG HOFFELNER
Wenn, fangen wir gleich an, euch ein bisschen oder eure Art Wein zu machen ein bisschen vorzustellen, damit das ein bisschen für alle, die vielleicht gar nicht so viel Tau von Wein haben und die sich das gerne anhören. Wenn, wenn euer Wein eine Band, Sängerin wäre oder ein Song, wer wäre das? Oder welche Band, welcher Song? Wie würdest du das musikalisch erklären?
ARMIN TEMENT
Ich glaube, auf alle Fälle wäre es eine Band oder vielleicht sogar ein Orchester, wo wahnsinnig viele Protagonisten auf der Bühne sind. Auf der anderen Seite sind wir vielleicht, die Familie, schon der Kopf vom ganzen Weingut, aber wir arbeiten mit 50 Mitarbeitern tagtäglich im Weinberg, in der Produktion und das ist eigentlich eine Symbiose aus wahnsinnig vielen handwerklichen Handgriffen und ich würde trotzdem sagen, es wäre vielleicht ein Orchester wie die Philharmoniker, wo jeder funktionieren muss, weil sonst hört sich das Lied einfach nicht gut an.
GEORG HOFFELNER
Sehr gut. Ja, finde ich eine sehr plausible Erklärung, weil Teamwork makes the Dreamwork ist ja nicht nur eine Floskel, sondern gerade in eurem Fall und vor allem bei der Menge, die ihr absetzt, durchaus berechtigt.
ARMIN TEMENT
Absolut, also ich sage immer, ob du jetzt einen Hektar hast oder 100, die Arbeit ist immer die gleiche, aber du kannst das vielleicht bei einem Hektar, kannst du noch alles alleine machen, aber irgendwann einmal drei, vier, fünf Hektar hast du natürlich genauso Mitarbeiter und jeder einzelne muss vielleicht das auch umsetzen oder gemeinsam muss das umsetzen, dann, dass du zum Ziel kommst. Und deswegen sind wir froh, dass wir ein tolles Team haben.
GEORG HOFFELNER
Ja, wir haben es schon ein bisschen angesprochen, die Menge, ihr seid sicher mit die Größten in Österreich, kann man sagen. Es gibt aber aktuell ja Entwicklungen, wo die Weinwelt ein bisschen sorgen, weiß ich nicht, aber man merkt der Umsatzgezug, die Leute trinken weniger Wein, auch die Jugend trinkt verantwortungsvoller oder haut sie irgendwelche anderen Substanzen rein, das weiß man nicht so genau, oder ich zumindest nicht. Aber zumindest ist es merkbar und ich merke das auch wirklich im persönlichen Umfeld, also es wird weniger getrunken. Beschäftigt dich sowas, wie reagiert man darauf?
ARMIN TEMENT
Grundsätzlich kriegst du das absolut mit, also vielleicht so intensiv, wie wir das heuer erlebt haben im Jänner, war es vielleicht überhaupt noch nie. Man kriegt es auch mit, weil viele Kollegen mittlerweile auch alkoholfreien Wein machen. Wir selber haben vielleicht den Weg nicht eingeschlagen, wir haben seit über 15 Jahren Verjus zum Trinken, das ist unsere Alternative, sagen wir so, im eher Low-Zucker-Bereich, sage ich einmal, eine gute Alternative, eine hochwertige Alternative zu finden. Und es ist sehr interessant, also jeder spricht davon, wir waren jetzt auf Skiurlaub und bei herrlichem Wetter in Obertauern und mit jedem, was wir geredet haben, jeden Wirten oder Hotelier, die haben gesagt, das ist vielleicht die beste Saison, die ich je gehabt habe. Und es ist gefühlt viel Wein getrunken worden, aber vielleicht hochqualitativ, vielleicht in einem Bereich, der uns eher entgegenkommt. Und natürlich wird immer weniger trunken, aber dafür vielleicht das, was trunken wird, bewusster und hochqualitativ.
GEORG HOFFELNER
Wenn man jetzt sagt, die Jugend trinkt weniger, und das soll heute ein bisschen so ein Grundthema sein in unserem Gespräch, Social Media, also wenn man sagt, die Jungen wären ein wichtiger Markt und, was ja eh gut ist, eben verantwortungsvoller und hochwertiger, wenn man schon einmal ein Glas Wein trinkt. Und du bist doch relativ aktiv, wie mir auffällt, wenn man vor allem auch eure Kollegenschaft ansieht, also du läufst auf Insta immer mal aus dem Weinberg aus oder so. War das einmal eine bewusste Entscheidung, dass du oder ihr damit anfängt?
ARMIN TEMENT
Eigentlich überhaupt nicht bewusst, irgendwie hat sich das entwickelt, vor allem auch, weil man Feedback kriegt, wenn man, zuerst kriegst du einmal von Freunden Feedback, wenn sie sagen, war cool, habe ich dir heute schon in der Früh gesehen, Fünfe, Weinberg und so weiter. Und du merkst wahnsinnig stark, wie sehr das die Leute interessiert. Also jeder sieht ja immer nur die vollendete Floschen Wein am Tisch und trinkt das Glas und dann riecht ein bisschen über Trauben und Kellerarbeit. Aber dass das ja viel mehr dahinter steckt oder der Weinbauer auch ganz andere tägliche Aufgaben hat, wie vielleicht nur eine Weinverkostung zu machen, das begeistert, glaube ich, schon die Leute und zeigt sehr viele junge Leute, dass das ein wunderschöner Beruf ist. Und wir haben ja zig Anfragen jedes Jahr für Praktikanten, Lehrlinge, die wir ausbilden, beziehungsweise Quereinsteiger sehr oft, oder ich würde sagen fast 50 Prozent sind Quereinsteiger, die sich für diesen Job interessieren. Und das ist schon was Wunderschönes, dass man einfach sieht, welchen schönen Beruf man hat und dass die anderen Leute auch vorstellen können, diesen Weg einzuschlagen.
GEORG HOFFELNER
Ja, also anscheinend nicht nur für die Endkunden quasi, die das dann konsumieren, sondern Mitarbeiter-Marketing, kann man das so sagen?
ARMIN TEMENT
Auch natürlich, weil man sieht ja ganz klar, welche Arbeitsschritte dann einfach fällig sind, welche handwerklich sind. Manche vielleicht auch wiederum, wenn du jetzt eine Traktorarbeit hernimmst, eine Maschinelle, die aber jetzt nicht schlechter ist oder so. Du brauchst vielleicht eine andere Qualifikation. Und so ist in einem Weinjahr natürlich, das ist umfangreich, ja, also du hast fast jede Woche andere Arbeiten zu tun.
GEORG HOFFELNER
Ich habe nachgeschaut, ihr habt so 17.000 Follower auf eurem Firmenaccount, Insta-Account und du hast auch sicher nochmal 5.000, 6.000 wahrscheinlich dazu. Also, das ist nicht so wenig eigentlich, oder? Also für das, oder ist da irgendwie eine professionelle Agentur oder was habt ihr wahrscheinlich nicht, ne? Also machst du das alles selber?
ARMIN TEMENT
Genau, wir machen das alles selber und es ist unglaublich, wie schwer das ist. Also schwer, also man glaubt immer, wenn du dir jetzt ein paar wirklich bekannte Leute anschaust, die zigtausende Follower haben oder hunderttausende oder dann vielleicht noch mehr. Im Weinbereich gibt es da nicht mehr so viele, die ganz viele Follower haben, aber es ist schon beeindruckend schwierig, seine Follower zu behalten. Also nicht, dass du jetzt einen Orgenwechsel hast, aber trotzdem, dass du natürlich immer neue dazukriegst und manche hören natürlich auch auf. Das ist wie jetzt bei unseren Kunden natürlich, also wenn wir einen neuen Orgen haben, kannst du vielleicht auch nicht jeden aufs Neue begeistern, dafür begeisterst du wieder neue Leute. So ist es natürlich auch bei der Social Media und wir sehen das auf der anderen Seite, weil es uns Spaß macht, das zu zeigen, was wir machen. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist. Auf der anderen Seite kann man natürlich sehr, sehr gut Sachen transportieren, sehr direkt, sehr schnell, sehr gezielt. Und ich glaube so, pro Beitrag schauen sich das schon so ein, zwei, drei Tausend Leute an. Also das ist schon jede Menge, die du da erreichst.
GEORG HOFFELNER
Ja, voll. Was ich ja sowieso finde, ihr habt ja definitiv auch einen internationalen Markt und die können nicht alle immer persönlich vorbeischauen, wie ihr das so macht, was da so abläuft. Und da kann man das ja wunderbar herzeigen, oder? Also wie die Arbeit im Weingarten ausschaut, was ihr dann beim Opfeln macht oder im Keller oder wie auch immer.
ARMIN TEMENT
Ja, ganz klar. Also du, dieser schnelle Informationsfluss, also wenn du jetzt auch irgendwo bist, jetzt war ich in Oslo vor 14 Tagen, einen Tag, auf einer Weinverkostung und du checkst gleich einmal, okay, das war jetzt das Sommelier von deinem Restaurant. Dann schaust du da gleich mal rein in die Seiten, vernetz dich mit dir und bleibst in Kontakt. Also es ist ein unglaublich unkomplizierter, aber ideale Ort und Weise, sich zu vernetzen und in Kontakt zu treten.
GEORG HOFFELNER
Ja, genau, weil du ja gleich Bilder und Gesichter und Geschichteln dazu hast.
ARMIN TEMENT
Kritik, gibt es da viel Kritik? Passiert das viel? Gibt es viel Austausch mit eurer Community da? Also das ist natürlich so wunderbar strahlend und schön, die guten Seiten sind, der Social Media Ort und Weise. So brutal und eiskalt ist natürlich die dunkle Seite. Also wir haben ja das selber auch schon miterlebt. Wenn du jetzt Projekte umsetzt, dir nicht an jeden gefallen, wird da eiskalt auf dich hingekaut. Jeder gibt seinen Senf dazu, ob er sich auskennt oder nicht. Also da entsteht sofort ein ganz intensiver Talk, wo sich Leute zu Kommentars äußern, zu gewissen Entscheidungen äußern und ihren Senf dazugeben. Es ist peinhart, das muss man manchmal auch durchstehen oder durchhalten wollen, weil es ja immer dann sehr persönlich wird. Es geht dann meistens ja nicht um die Sache oder um so irgendwas, sondern es wird wahnsinnig persönlich, geht unter die Haut. Man sieht jetzt auch zum Beispiel, was da in Wien mit dem Konstantin Philippo passiert. Das ist natürlich peinhart und da macht sich jeder, jeder gibt ein Bild ab, ob er es jetzt weiß oder nicht weiß.
GEORG HOFFELNER
Ja genau, also der wurde ja dort hineingezährt von deiner Zeitung. In eurem Fall wäre es so, weil ihr ja, und das ist es ja, man ist ja sehr eng verbunden als Person, Persönlichkeit mit dem Unternehmen, mit dem Firmennamen. Und dann kommt man natürlich selber vor, wie du oder deine Frau Monika vor allem, wenn ihr da irgendwo satzt. Und das sind teilweise ja fast private Einblicke. Gibt es da irgendwie dann Reaktionen? Funktioniert sowas besser, schlechter, mehr Kritik? Wenn ihr irgendwie sagt zum Beispiel, jetzt war es ja beim Opernball, ist das dann Thema oder nicht?
ARMIN TEMENT
Also der Opernball war natürlich ein wunderbares, wunderschönes Erlebnis. Und du merkst schon, also wenn du solche Sachen teilst, schöne Fotos mit den Personen selber, das sind die größten Multiplikatoren. Also die Landschaft kann gar nicht so schön sein oder wie auch immer.
GEORG HOFFELNER
Wie du!
ARMIN TEMENT
Ja, also egal wie Gesichter die dahinter sind oder was passiert und so weiter, also da hast du gleich einmal das Doppelte an Interesse, was die Leute das anschauen. Etwas persönlich nehmen sollte man nicht, tut man ja aber auch, das weiß ich ja auch. Egal, ob das ein Leserbrief ist oder so, man beschäftigt sich mit der Kritik, die an meinen Beiträgen in der Zeitung oder wo auch immer kommen. Du kannst, das hört man auch sehr oft, du kannst 100 positive Zusprüche, auch negativer und du denkst drüber nach. Na klar.
GEORG HOFFELNER
Was aber bei euch ja nicht so ist, wie bei reinen InfluencerInnen, die vielleicht sich und ihre Person ist ihr Geschäftsmodell oder die eigene Person ist das Geschäftsmodell. In eurem Fall ist es ja aber ein tolles Produkt, der Wein, euer Betrieb. Kann man dann vielleicht aber besser die Kritik einordnen, oder?
ARMIN TEMENT
Ja, also bei uns geht es ja oft einmal, es gibt die eine, also übersetzt unsere Arbeit oder so, wird man ja kaum kritisiert, weil die Leute ja eigentlich eher begeistert, wie man das macht. Viele haben sich das gar nicht vorstellen können, dass wir so arbeiten, weil man vielleicht glaubt, man fährt noch mehr mit dem Sarko von Verkostung zu Verkostung. Aber der Wein muss ja trotzdem, oder die Reben müssen ja trotzdem bearbeitet werden. Aber natürlich, was sind bei uns so ganz starke Kritikpunkte, wenn jetzt da, wo alle sagen, das ist der große Wein, der große Jahrgang, macht ihn daheim auf und kommt überhaupt nicht damit zurecht. Wir werden dann direkt angeschrieben. Oder der Klosverschluss taugt überhaupt nicht, oder wollte ihn besonders, oder einfach wenn der, Wein ist ja sehr intim, er macht es ja meistens dann auf, wenn es ein besonderer Moment für jemanden ist. Und wenn er dann seine Erfahrung teilt, die vielleicht jetzt, mit der er nicht gerechnet hat, nicht erwartet hat, vielleicht nicht verstanden hat, so muss man auf das natürlich sehr, sehr genau und sehr behutsam darauf eingehen, weil der Wein überall immer anders schmeckt und man muss das versuchen zu erklären, wie wir das sehen, wie wir darüber denken und so versuchen halt, das Ruder quasi wieder in die richtige Richtung zu bekommen.
GEORG HOFFELNER
Geht es ja dann in den intensiven Austausch. Hausnummer, es schreibt euch wieder eine Direct Message über Instagram oder was auch immer und sagt eben so eine Kritik. Was macht ihr mit dem Klodeckel oder warum nicht?
ARMIN TEMENT
Genau, also da geht man direkt in die Antwort, am liebsten natürlich auch mal schriftlich, dann vielleicht telefonieren ist immer sehr, sehr gut, weil man da natürlich die Sachen vielleicht ein bisschen anders drauf eingehen kann. Da haben wir wirklich geschaut, was hat da jetzt nicht genau gepasst und seitdem wir das, oder wir glauben zumindest, wir versuchen das sehr, sehr lückenlos zu machen, haben wir eigentlich, also sagen wir mal, das Problem, was meistens bei der Kritik dann war, das hat man dann so gedreht, dass der so einen Bezug zu uns hat, wie er noch nie vorher gehabt hat, weil mit dem hat er noch wieder auch nicht gerechnet.
GEORG HOFFELNER
Ja, das mache ich auch ganz gerne, wenn mir wer eine Kritik schreibt oder so, dann bedanke ich mich immer natürlich und schicke gleich ein Kochbuch, alles danke schön hinten nach, also gerade, wenn es so eine richtig gemeine Kritik ist, weil dann denke ich mir, eben, meistens sind es so ein kleines Paar Verunsicherte und, aber es ist, man muss es ja auch sagen, ob in meinem Business, bei euch ja auch, so blöd das klingt, auch ein abgedroschener Spruch, aber nur durch die Kritik kann man sich auch verbessern oder reflektieren.
ARMIN TEMENT
Na klar, weil wir sind ja in unserer Welt und wir kriegen ja manche Sachen gar nicht mit und immer so ein bisschen ein Blick von außen und du merkst ja, dass in der Regel der, der die Kritik macht, dem ist das ja ein riesiges Bedürfnis, weil der setzt ja sonst nicht hin in seiner Freizeit und schreibt fünf Minuten einen Brief oder länger und will uns quasi sagen, was ihm jetzt nicht gepasst hat. Ich glaube, dass das schon absolut wichtig ist und uns natürlich auch auf Sicht umdenken lässt bei gewissen Sachen vielleicht.
GEORG HOFFELNER
Um wieder auf die jüngere Zielgruppe zu sprechen zu kommen, weißt du, wie so eure Altersschicht ist? Schaust du dir das an bei euren Accounts, zum Beispiel auf Instagram oder so, wie da eure Zielgruppe ausschaut?
ARMIN TEMENT
Grundsätzlich schon, also ich sage einmal, so dieser klassische Endkunde, würde ich einmal sagen, der fängt wahrscheinlich so einmal mit Mitte 20 bis Mitte 45 an. Alles, was drüber ist, vielleicht 50 geht auch noch, alles, was drüber ist, ist ja da mit Social Media jetzt, also in dem Bereich jetzt vielleicht nicht so eng verknüpft und da würde ich mal sagen, sind wir so, das ist so unsere Basis. Die ganz jungen Leute, die frisch einsteigen, die brauchen vielleicht ein bisschen was Aufregenderes auf Social Media, vielleicht ein bisschen was Wilderes oder was Lustigeres, aber irgendwann einmal kommen sie dann, wenn sie auf einem gewissen Weinlevel sind, was Interesse, dann kommen sie irgendwann schon einmal wieder zu uns auf die Spur.
GEORG HOFFELNER
Gibt es sonst, also ist das für euch auch interessant, wichtig, spricht man darüber, junge Leute gleich mit dem Namen Thema Wein in Verbindung zu bringen? Oder setzt sich da neben Social Tätigkeit auf Social Media, macht sich da noch andere bewusste Aktionen, um so eine jüngere Zielgruppe anzusprechen? Ich meine, sehr oft wird gesagt, das macht ihr ja nicht so, der Junker oder die Junker-Veranstaltungen.
ARMIN TEMENT
Genau, also da hast du völlig recht, zum Junker kann man stehen, wie man will, aber es hat trotzdem, ich sage, wenn du nur die Verkostung in Graz hernimmst, jeden Tag, auch jedes Jahr bei der Präsentation 5000 Leute die Stadthalle gefüllt, das muss man mal schaffen. Und da geht da jeder hin, positiv und trinkt dann Wein, manchmal exzessiver, manchmal professioneller, aber das ist ja natürlich ein wahnsinniger Effekt, was an dem einen Tag für eine Stimmung da für den steirischen Wein entstanden ist. Und das Ziel wäre dann gewesen vom Junker, dass du die Leute, die du dort hinein begeistert hast, auf die nächste Ebene bringst und führst. Und da haben wir meiner Meinung nach alle zusammen in der Steiermark vielleicht ein bisschen Potenzial liegen gelassen, weil man war lang immer nur diese Junker-Partie und danach trinkt man einen gescheiten Wein, der aus, keine Ahnung, woanders kommt. Und das Potenzial hat man sicher nicht so gänzlich genutzt, aber genau solche Veranstaltungen, wo die jungen Leute wirklich in Kontakt kommen mit einem Wein, da musst du es hinbringen und dann musst du es eh führen, lernen, schulen, leiten und so weiter.
GEORG HOFFELNER
Es ist ja so schräg, oder? Das habe ich in den letzten Gesprächen sehr oft irgendwie gehabt, gerade, wenn man selber junge Kinder hat. Man will ja, also verantwortungsvoller Alkoholgenuss, immer cool, wie es man ja selber, wenn etwas schmeckt und so. Aber du willst ja nicht deine Kinder zum Saufen bringen. Also es ist ja immer, oder? Und wenn man jetzt darüber redet, ich muss ja selber immer wieder ein bisschen schmunzeln, unter Anführungszeichen. Man will, es heißt immer und alle sagen das, gerade in der Weinwelt, man muss die Jugend wieder zum Alkohol bringen. Das ist ja ein bisschen so dieser Widerspruch von dem, wo wir vielleicht groß geworden sind, haben alle immer gesagt, sauft es nicht zu viel oder so, oder? Also irgendwie ein schräges, heikles Thema, oder siehst du es komplett anders?
ARMIN TEMENT
Naja, ich sehe es absolut so. Auf der anderen Seite wird irgendwann einmal der Punkt kommen, wo ich mit meinem Buben oder mit meinen Kindern auch einmal Wein verkoste, Wein trinken. Momentan sind sie noch zu jung. Aber das Entscheidende ist, dass man, dass man diese Distanz zum Nichttrinken trotzdem hat, ja? Also ich würde sagen, dass man eine Distanz schafft und einen Respekt schafft vor Alkohol, egal in welcher Form. Dass das nicht was Alltägliches sein darf und nicht sein soll. Aber vielleicht in gewissen Momenten beim guten Essen ein Glas Wein dazu trinkt, das einfach bereichert. Und ich würde nicht sagen, dass es gesund ist, aber zumindest ein Gefühl eines Genusses, einer Zufriedenheit, vielleicht ein bisschen einer Entschleunigung einfach sein kann. Aber es heißt nicht, dass man sich drei Flaschen Wein jedes Mal dann reinziehen muss, auch wenn man es kann.
GEORG HOFFELNER
Genau. Aber diesbezüglich, und das war ja eh schon dein Ansatz, wären solche Veranstaltungen für die Jugend, wo es eher ums Thema Qualität als um die Quantität geht, ja cool. Gibt es aber wenige, oder?
ARMIN TEMENT
Ja, mit Sicherheit hängt das Problem auch damit zusammen, dass jeder will immer nur Feinwein und Topweine machen und will natürlich eine Veranstaltung haben, wo die besten Weinfreaks da sind, egal ob Sommeliers oder Privatkunden. Und da wird es halt dann irgendwann einmal für einen ganz jungen Einsteiger, der wird denken, das ist jetzt aber keine coole Veranstaltung, wenn alle da steif, alles nach der Regel. Und da traust du dich nicht zu, da ist ja viel zu viel Distanz da. Also man braucht schon Veranstaltungen, wo, nehmen wir den Steiermarkfrühling vielleicht her jetzt in Wien, ja, wo einfach Top-Essen, gute Weine da sind, die Stimmung ist gut und mal so positive Energie zu schaffen, ja. Und ich glaube, solche Veranstaltungen braucht man einfach, um die nächste Generation aufmerksam zu machen, ja.
GEORG HOFFELNER
Ja, voll. Eigentlich eher noch eine Marktlücke, finde ich. Ich kenne das eher und das im kleineren Bereich, in der alternativeren Weinszene, da sind die Veranstaltungen ein bisschen jugendlicher, sagen wir mal so. Aber, und dir geht es wahrscheinlich ja gleich mal so über die ganze Zeit auf irgendwelchen Events, Veranstaltungen und meistens rennt das sehr ähnlich ab, oder, rundestädtisch, darum aber verstehe ich schon, warum die Jugend da nicht unbedingt.
ARMIN TEMENT
Nein, du brauchst einfach vielleicht Zugänge, was ihnen auch gefällt, wo sie etwas Vertrautes haben, egal ob es jetzt eine Musik ist oder eben einfach eine gute, vielleicht Streetfood, einfach was ein bisschen hippes, ein bisschen modernes. Ich meine, wir haben zum Beispiel heuer bei der STK-Verkostung, beim Walter Frauwallner im Juni, haben wir gesagt, wir werden erstmalig auch für die Kleinkinder etwas anbieten. Das heißt, ein bisschen eine Kinderbetreuung, weil ich sage, viele junge Leute haben jetzt auch Kinder, aber haben niemanden vielleicht, auf die Kinder aufpassen und können nicht zu einer Verkostung gehen, würden aber vielleicht gerne. Und einfach so für Kunden etwas anzubieten, dass da sagt, okay, da kann man als ganze Familie hingehen. Oft ist ja Wein immer nur so, das macht immer nur der Mann, Frau tut daheim Kinder schauen und es ist ja auch nicht sexy. Also du musst etwas schaffen, was einfach gesamtgesellschaftlich funktioniert.
GEORG HOFFELNER
Ja, voll. Bleiben wir noch ein bisschen beim Thema Social Media, Instagram. Kann man da direkt Wein verkaufen? Funktioniert das im Weinbereich auch? Also bei uns, wir machen es jetzt nicht so eigentlich. Könnte man natürlich verlinken. Ich weiß aber jetzt nicht, ob das jetzt unsere Zielgruppe, die meisten, die das schauen, ich glaube jetzt nicht, dass die jetzt das anklicken und dann kaufen würden, weil wir ja doch meistens in Restaurants getrunken werden oder sehr oft. Und die Sommeliers, die Fachleute eh über ihre Fachhändler die Weine beziehen. Aber natürlich, wenn man das gut aufbereitet für Privatkunden, für Konsumenten sozusagen zu Hause, ist das sicherlich auch eine gute Möglichkeit. Aber ich glaube, wenn du da nur mehr Gefühl hast, das sind nur mehr Werbungen und Einschaltungen, das wollen wir jetzt bei uns selber nicht erzeugen. Also wir wollen da eh ein bisschen das Informative, Leute schulen, Leute weiterbilden, Informationsfluss aufrechterhalten und nicht jetzt aktiv dort Wein zu verkaufen.
GEORG HOFFELNER
Und drehen wir das Ganze zum, jetzt haben wir ein bisschen darüber gehört, was ihr persönlich tut, auf Instagram, Social Media und so. Aber was ja heutzutage, und das merken wir klassischen Printmedien vor allem sehr stark, also überall arbeitet man eben mit Influencern zusammen, weil die ja sehr direkt gewisse Zielgruppen ansprechen können. Habt ihr Leute, die für euch Ambassadors sind, also Leute, die die ganze Zeit Themenweine irgendwo in die Kamera halten und das auf Insta posten? Gibt es das? Geht ihr da vielleicht nur? Sorgt ihr dafür irgendwen was?
ARMIN TEMENT
Wir zahlen keinem was, aber wir haben natürlich sehr viele Leute, das ist jetzt auf der einen Seite, wenn du in ein paar der besten Restaurants fast immer in den Weinbegleitungen dabei bist, und da posten ja auch schon an die Kunden, die dort essen, welche Weinserie, welche Speisefolge sie gehabt haben. Und das ist natürlich fantastisch, weil jeder, der sich für Essen interessiert und trinkt, der kommt bei diesen paar wichtigen Restaurants jetzt da nicht vorbei. Das ist natürlich auch, aber dann haben wir natürlich auch Freunde, wie jetzt ein Michi Ostrowski, wenn wir den treffen, der trinkt immer gerne unsere Weine. Oder der Paul Pizzerra zum Beispiel, also da gibt es schon so ein paar Steirer, die sehr patriotisch sind und die steirische Weinflagge da hochhalten. Und du merkst da schon, oder ganz, ganz spannend Roland Rettl zum Beispiel, der sehr eng mit uns verbunden ist. Und wie sie damals in der Corona-Zeit ihre täglich zu Hause gekocht haben und dann immer einen Wein von uns dabei gehabt haben, das hast du gespürt, sage ich jetzt einmal. Das merkt man, oder? Ja.
GEORG HOFFELNER
Im Gegenzug, wie ist es bei euch, ist ja für uns als klassisches Printmedium interessant, sind klassische Medien oder auch Weinmedien, gibt es ja auch einschlägige Weinmedien, Zeitungen, Magazine, ist das nach wie vor relevant oder merkt ihr da, das ist für euch gar nicht mehr so spannend, da Geld in die Hand zu nehmen?
ARMIN TEMENT
Ja, wir wollen ja eigentlich nicht so diese Inserateschaltungen machen, weil es für uns dort in dem Bereich vielleicht nicht so, wir haben das Gefühl, das passt nicht so zu uns, aber wir sind große Fans von Printmedien. Ich glaube, ein gutes Beispiel ist auch für die Weinleute, für die Leute Kulinarik, die handwerklich, die was spüren wollen, für die ist es ja wichtig, dass wir sie in der Hand halten. Also du siehst das ganz stark bei Restaurants, die angefangen haben, die Weinkarte im iPad zu machen, das taugt den Weinfreaks zumindest alle nicht. Da kommt keiner, obwohl es vielleicht sogar praktisch ist, obwohl es schnell ist, du kannst Sachen markieren, aber jeder will so diese Weinkarte haben und ein Weinmagazin ist, glaube ich, anders zum Durchblättern, wie wenn du das jetzt alles noch mehr online hast oder noch mehr am Tablet hast. Und bei uns liegen die ja auch Monate, Wochen, vielleicht Jahre auf, weil das, was dir gefällt oder wo tolle Berichte drin sind, das hochwertig gemacht ist, das lässt du liegen, du hast dort einen Stoß, das schaust du dir immer wieder einmal an und das ist halt im Tabletnetz so der Fall. Also doch noch Liebe für gedruckte Sachen. Absolut.
GEORG HOFFELNER
Bleiben wir noch ein bisschen beim digitalen Thema, gerade, wenn ich da bei euch in die Weinkarten ausschreibe, ich glaube, du hast mir das einmal erzählt, du hast schon mit Drohnen gearbeitet, oder?
ARMIN TEMENT
Genau. Wir arbeiten ja biodynamisch und in der Südsteiermark alles so steilhangen und Handwerk, beziehungsweise Fühlniederschlag, kühle Temperaturen, rauhes Klima, ist schon sehr herausfordernd. Und gerade in dem Bereich, wie kann es sich verbessern oder was wird die Zukunft sein? Traktorarbeiten sind gefährlich, sind schwer, stürzen jedes Jahr Leute mit dem Traktor ab. Und da passieren wirklich viele schlimme Sachen und du willst auf der anderen Seite Sicherheiten schaffen, zweitens willst du dann trotzdem vielleicht schneller sein, die neigende Technologien nutzen, wie kann die Zukunft im Weinbau ausschauen, du willst leichtere Maschinen haben, du willst den Boden nicht belasten, also da gibt es hundert Sachen, die mir einfallen würden, warum jetzt eine Mechanisierung in einer Art und Weise der Automatisation interessant werden. Und das wird sicherlich die Zukunft sein. Die Entwicklung geht halt oft nicht schneller, aber Drohnen, Drohnen ist hochinteressant. Wie kann man sich das vorstellen, was habt ihr gemacht? Wir haben Versuche gemacht, auf der einen Seite mit Pflanzenschutz, also die Spritzungen. Wir haben Monitoring, kannst du sehr gut mit Drohnen machen. Und ich sage jetzt, für die Präparatespritzungen, Biodynamiespritzungen, wäre Drohnen natürlich ideal. Du hast keine Bodenbelastung, du bist schnell, du kannst es wirklich gezielt großflächig ausbringen. Bei der klassischen Spritzung mit Kupfer und Schwefel ist es für mich nicht ideal oder nicht geeignet, weil du spritzt ja überall, also auch den Boden besprühst du dann, wo eigentlich das Pflanzenschutzmittel nicht hingehört oder hin soll. Also für das ist es nicht so geeignet, aber für biodynamische Präparate ist es natürlich perfekt.
GEORG HOFFELNER
Also mir scheint, du bist da immer oder versuchst da immer irgendwie halbwegs up-to-date zu bleiben. KI, ist das im Weinbau oder im Einfall auch schon ein Thema, weil das ja gerade so dauerpräsent überall ist?
ARMIN TEMENT
Ja, also bei uns jetzt im täglichen Bedarf eigentlich noch nicht, weil der Weinstock noch nicht verbunden ist mit der internationalen Welt.
GEORG HOFFELNER
Aber wer weiß, was einmal passieren kann. Ich meine, ich möchte gar nicht wissen, wie viele Broschüren und Texte und Weinbeschreibungen mittlerweile vielleicht KI sind. Also kann natürlich alles sein, aber bei uns im Haus noch nicht momentan. Sehr gut. Ja, ihr habt gesagt, wir kommen zur nächsten Wein-Wahrheit-oder-Pflicht-Frage. Lieber Armin, was war der schlechteste Wein einer Winzerin oder eines Winzers, den du je getrunken hast? Wer war das und was war der Flaschenwein?
ARMIN TEMENT
Hm, das ist auch eine sehr harte und gemeine Frage.
GEORG HOFFELNER
Aber nicht stuerhaft, überhaupt, meinst du? Das kannst du interpretieren, wie du möchtest. Ja, stimmt. Ich habe nicht gesagt, gehörst du aus der Region oder so. Du könntest jetzt sagen...
ARMIN TEMENT
Ich habe, es war die schlechteste Flasche Wein, weil es auch die größte Enttäuschung war.
GEORG HOFFELNER
Aha.
ARMIN TEMENT
Und weil es damals mit dem ganzen Geld, was ich gekauft habe, zusammengespart habe. Und das war ein 2004er, ein Accord an Charlemagne von Costerie. Einer der größten Winzer, der besten Lagen, der besten Jahrgänge. Und ich habe mich da für eine Weinverkostung das zusammengespart mit einem Freund. Und wir haben die Flasche aufgemacht, das haben wir zelebriert über den ganzen Tag. Und wie ich den Korken rausziehe, war nur ein Zentimeter draußen, habe ich gedacht, um Gottes Willen.
GEORG HOFFELNER
Oh mein Gott.
ARMIN TEMENT
Also, lupenreiner Kork. Dann ganz draußen der Kork, also das war ein Schulbeispiel Paradekork. Und in unserer Hektik und in unserer bitteren Enttäuschung haben wir den Wein trotzdem getrunken. Und der war so grauslich, dass nicht annähernd die Größe des Weines erkennt. Wir haben gewusst, wir kriegen die Flasche nicht ersetzt. Und so haben wir die Ovi gewirkt, einer der größten Weine, die es gibt.
GEORG HOFFELNER
Oh mein Gott.
ARMIN TEMENT
Und ich weiß noch heute, wie es schmeckt. Es können auch negative Weinerlebnisse in Erinnerung bleiben.
GEORG HOFFELNER
Das ist eine schöne Geschichte, aber was sind die Lehren aus so einer Aktion?
ARMIN TEMENT
Das ist eine gute Frage. Die Lehren, heute hätten wir vielleicht, wahrscheinlich wäre es nicht möglich gewesen, aber mittlerweile kenne ich den Jean-François Koch und den Raphael. Und ich hätte ihn vielleicht versucht, irgendwie umzutauschen oder mit zumindest einer Flasche Basic-Wein dafür zu bekommen. Weil das zahlt sich wirklich nicht aus, wenn man etwas trinkt, was auch nicht schmeckt.
GEORG HOFFELNER
Ja eben, das ist ja für den Winzer nicht gut. Und der Alkohol ist der gleiche drinnen, nur es ist schlecht. Also es ist genau das, wie man nicht Wein trinken soll. Und hast du jemals diese Flasche Wein, diesen Jahrgang, dann irgendwo einmal nicht?
ARMIN TEMENT
Nein, leider. Also das ist so rar und damals war es noch nicht einmal so teuer in den Sphären, wo es heute ist. Damals war das noch recht unbekannt. Das war gleich einmal, der Jahrgang war frisch gefüllt. Das war 2005, 2006, war es, haben wir diesen Wein gekauft und aufgemacht. Also blutjung und dann noch mit Bombenkork. Also es war damals für mich, ich habe gerade angefangen, mein eigenes Geld zu verdienen, war es schon fast ein Monatslohn. Und heute wäre es, was die Flaschen kostet, wäre mit doppelter Monatslohn. Aber heute verdiene ich nicht viel, aber ein bisschen mehr.
GEORG HOFFELNER
Aber eine sehr coole Geschichte und die Frage einwandfrei beantwortet, also Respekt.
GEORG HOFFELNER
Ja, wenn du gerade so eine Geschichte erzählst, was ich mir auch sehr oft bei euch Winzerinnen und Winzern denke, ist, was wäre, wenn dir Wein auf einmal nicht mehr schmeckt? Weißt du, was ich meine? Nein, also das ist ja bei allen, die ich so kenne, das Feuer, das da brennt und die Leidenschaft für das Getränk. Und jetzt ist ja gerade ein Shift. Ich merke das ja auch bei mir oder bei vielen anderen, du magst ja nicht immer Wein. Spürst du dich mit solchen Gedanken? Weil eben, es ist ja alles, was du tust, jeder Tag, jede Sekunde, jede Minute, dreht sich nur um das. Und jetzt würde der, oder eigentlich mag gar keinen Wein mehr trinken. Was ist das, was ich meine?
ARMIN TEMENT
Es gibt natürlich solche Tage, wo Wein grauslich schmecken kann. Wenn das jetzt wirklich eine permanente Situation wäre, weiß ich nicht, inwieweit wir uns weiterentwickeln könnten, weil wir sind ja in einer stetigen Entwicklung und du entwickelst ja dich selbst weiter, deinen Geschmack weiter, die werden geprägt von Erlebnissen, die du hast mit mit jedem Gespräch, mit jedem Essen, mit Aufnahmen neuer Geschmäcker, neuer Kombinationen. Und wenn ich jetzt da was produziere, wo ich sage, das schmeckt mir nicht mehr, weiß ich auch nicht, ob ich das dann verkaufen könnte, egal wie gut das wäre. Also eine Situation, mit der wir wahrscheinlich sehr, sehr schwer umgehen könnten. Ich glaube nicht, dass es passieren wird, weil man kann es ja auch mit allem satt machen und Wein ist ja glaube ich trotzdem so umfangreich, vielfältig, dass man wahrscheinlich immer wieder ein Geschmackserlebnis finden wird, das einem gefallen wird.
GEORG HOFFELNER
Ja, und das ist wahrscheinlich in jedem Beruf. Manche haben das Glück, dass diese Leidenschaft, die sie halt haben, ihr Leben lang durchdrückt und andere wechseln die ganze Zeit. Also hast du wahrscheinlich Glück bis dahin?
ARMIN TEMENT
Ja, ich hoffe. Ich meine, es gibt natürlich andere Sachen, die wir, oder wo ich mich schwer tue. Ich sage jetzt, ich habe mich nie so in diese Whisky-Welt zum Beispiel hinein gestürzt, weil ich noch nie einen Bezug dafür gefunden habe, weil ich sage, das begeistert mich jetzt. Aber ich habe auch, Michael Mittermeier war einmal benannt und er dürfte eine der größten Whisky-Sammlungen Deutschlands haben, sammelt das eh und je und hat in dem Moment gleich mal eine Stunde über Whisky geredet und ich habe nicht irgendwas verstanden. Und das ist ja das Schöne, dass es in jeder Richtung solche Leidenschaften gibt.
GEORG HOFFELNER
Läuten wir ein bisschen eure Vorstellungsrunde ein, jetzt dann zum Schluss haben wir gedacht, passt das ja besser. Themen, kennt man, groß ist ein Begriff. Wie groß? Wie viel Wein produziert ihr? Wie kann man sich das vorstellen?
ARMIN TEMENT
Ja, also wir haben sehr klein begonnen und haben das dann quasi meine Großeltern, aber vor allem meine Eltern, aufgebaut und weiterentwickelt. Wir produzieren heute in Österreich auf rund 80 Hektar biodynamisch und in Slowenien zusätzlich Domenzi Ringa 20 Hektar biodynamisch, das heißt in Summe 100 Hektar. Hört sich natürlich viel an, ist sicherlich für die Steiermark, für Österreich, für Eigenproduktion, also bei uns kommt alles aus unserer Hand, ist sicherlich nicht die Norm. Aber es gibt natürlich wesentlich größere Betriebe, die viel mehr produzieren. Also wenn ich das jetzt so beziffern kann, 100 Hektar, wir haben ungefähr 5.000, 5.500 Reben pro Hektar, das heißt wir haben 500, sagen wir mal, rechnen wir gerade 500 Rebstöcke, die wir alle persönlich kennen und wir produzieren das ganze Jahr so darauf hin, dass wir ungefähr ein Kilo pro Rebstock ernten. Das heißt 500.000 Kilo Trauben. Wir dürften per Gesetz das Doppelte produzieren. Das heißt 10.000, meines Wissens, das wird ja immer ein bisschen geändert, angepasst, ist quasi die offizielle Produktionsmenge, die erlaubt wäre für Qualitätswein. Wir haben unser Optimum in etwa 5.000 Kilo. Ein Kilo pro Rebstock, das ist für uns die ideale Qualität und daraus entsteht, dass aus einem Kilo macht man nicht eine Flasche. Also da bist du irgendwo, sagen wir mal, bei 450.000 Flaschen, die wir produzieren im Jahr. Das ist jetzt dann natürlich für die Größe an Rebfläche, für die Vielzahl an Mitarbeitern, weil zur Ernte haben wir noch einmal zusätzlich bis zu 200 Reit, ist das jetzt dann nicht viel. Aber ich sage einmal, im Schnitt wollen wir auch nicht mehr machen, weil es einfach qualitativ nicht das erzielt dann, was wir uns vorstellen.
GEORG HOFFELNER
Ja, das ist aber trotzdem nicht wenig und das wird man nicht nur in Österreich los, denke ich mir mal. Also wie groß, das frage ich mir ganz gern, weil da erkennt man eigentlich, finde ich, auch ganz gut, wie der Wein auch am internationalen Parkett ankommt. Also wie viel exportiert ihr?
ARMIN TEMENT
Also wir exportieren weltweit, also es gibt eigentlich keinen Kontinent, wo wir nicht vertreten sind. Aber wir sind glücklich und happy, dass wir über 60 Prozent in Österreich verkaufen und dann der zweitstärkste Markt ist Deutschland und dann eigentlich Schweiz und Amerika. Aber dass wir quasi in dem Dachraum, Deutschland, Österreich, Schweiz, über 80 Prozent verkaufen. Und das ist natürlich dann schon super, weil ich sage immer, du willst ein biologischer Betrieb sein und Wege kürz halten und so weiter und dann werden die Weine überall verkauft, nur daheim nicht. Und deswegen sind wir froh, dass wir quasi in dem Bereich alles, was wahrscheinlich der meiste Wein in Autostunden, fünf Stunden von da rundum, wird der meiste Wein getrunken von uns.
GEORG HOFFELNER
Ja, jetzt wo du das sagst, darüber habe ich gar nicht so nachgedacht, aber viele der Naturwein-Heroes aus unseren Landen sind ja irgendwo ganz anders in der Welt daheim.
ARMIN TEMENT
Ja, das sind, ich meine, man muss vielleicht auch zu ihrer Verteidigung sagen, also das sind mitunter die absolut weltbesten Betriebe, die haben wir da in der Steiermark und die waren ihrer Zeit einfach voraus. Die waren einfach, das, was sie produziert haben, war ganz, ganz, haben viele nicht verstehen können und die haben dann quasi exportieren müssen. Heute ist es so, dass die natürlich auch mittlerweile einen riesigen Heimmarkt haben und das, glaube ich, dieses Verhältnis nicht mehr ganz so arg ist.
GEORG HOFFELNER
Wenn man so viel Wein macht wie ihr und aber aus einer Region kommt, die halt genau dafür steht, nämlich rein, wie, ich meine, natürlich, also kennt man Eiche jetzt und so, aber wie grenzt man sich ab vom Mitbewerb? Gelingt das rein vom Geschmack oder muss man andere Maßnahmen setzen?
ARMIN TEMENT
Na, wir versuchen schon sehr detailliert uns eben weiterzuentwickeln. Das heißt, wir wollen im Geschmack so eindrucksvoll sein, so eigenständig sein, dass wir eben unsere ganz spezielle Identität mit uns bringen, mit dem Wein, aber auch mit dem, was wir machen, wie wir es machen. Und darum musst du halt sehr behutsam umzugehen, weil nur wenn was anders schmeckt, heißt es so lange nicht, dass es gut ist oder verstanden wird. Und deswegen versuchen wir natürlich das sehr, sehr, sehr behutsam und schonend zu machen, unsere Kunden die Möglichkeit geben, mit uns gemeinsam den Weg zu gehen, dass man quasi das Wertvollste, was wir haben, sind unsere Kunden und dass man die auf diese Reise mit einpackt und das Schritt für Schritt umsetzt. Es gibt Jahrgänge, die sind einmal ein bisschen weiter weg. Es gibt Jahrgänge, da machen wir kleinere Schritte, aber es soll schon die Richtung stimmen. Und teilweise kommst du selber drauf, dass mancher Schritt nicht richtig war, dass du wieder vielleicht in eine andere Richtung die denken musst. Die Natur gibt vieles vor oder fast alles vor. Und so ist das eigentlich immer eine schöne Herausforderung und das Weinjahr ist so schnell um.
GEORG HOFFELNER
Ihr selber gehört ja auch zur Marke als integraler Bestandteil, die Person. Wie wichtig glaubst, bist du also in dem ganzen Prozess?
ARMIN TEMENT
Ich glaube, dass natürlich ich und auch mein Bruder jetzt, weil wir repräsentativer vielleicht manchmal sind, wahrgenommen werden oder über Social Media vielleicht manchmal so intensiver wahrgenommen werden. Es ist trotzdem ganz wichtig, die Verbindung mit meinen Eltern beziehungsweise auch die Strukturen im Hintergrund macht, meine Frau, die Monika. Ich glaube, dass wir ein unschlagbares Team sind miteinander. Wir sind jeder anders. Es würde wahrscheinlich, egal wer, wenn wer fehlen würde, man würde es merken. Aber es heißt nicht, dass wenn ich jetzt fehlen würde, dass das Schiff untergeht. Ich glaube, man würde sich wahrscheinlich dann ein bisschen auf andere Füße stellen und eben einen neuen Weg finden würde. Aber ich glaube schon, dass wir sehr intensiv unseren Stempel aufs Gesamtkonzept legen.
GEORG HOFFELNER
Ich frage mich das immer, ist es nur eine Bubble, wo man die Personen dann halt erkennt und ist es für den Großteil der Konsumentinnen oder Konsumenten im Endeffekt dann eh erst wieder unter Anführungsstrichen nur die Flaschen, die er irgendwo kauft. Weißt du, was ich meine?
ARMIN TEMENT
Ja und nein. Also ich sage einmal, in dem Bereich, wo wir uns bewegen, ist ja das im absoluten äußersten letzten Bereich, wo es ja dann nicht mehr viel gibt. Also kannst du jetzt sagen, die besten 5% auf der Welt sind Weingüter und ich stelle mich jetzt einmal selber einfach da hinein, egal ob es stimmt oder nicht. Aber ich sehe mich so oder ich versuche auch andere so zu sehen. Das ist Wein immer mit Personen verbunden. Und es sind immer mal größere Betriebe, mal kleinere Betriebe, sind in der Regel Familien und die sehr, sehr langsam. Auch selbst wenn du jetzt nach Bordeaux gehst, wo Chateau XY irgendeine Versicherungsgesellschaft gehört, die komplett anonym im Hintergrund ist. Aber es gibt den Kellermaster dort, der der Kopf vom Weingut ist oder der schon seit 20 Jahren die Weine macht und den kennt man dann in der Weinwelt. Da weiß keiner, wer der Besitzer ist, aber der wirklich diese Weine macht, der mit den Kunden in Kontakt ist. Das ist das Gesicht vom Weingut. Und deswegen ist das, glaube ich, stellt man sich das oft leicht vor, wenn man sagt, ich komme jetzt in Südsteiermark, kaufe ein Weingut und noch eins und mache Marke X. Und der Wein kann fantastisch sein, aber es wird trotzdem nicht einfach sein, das zu vermarkten. Weil es einfach, da sind so viele mehr Sachen dahinter, Marktbetreuung, du musst ein Vertrauen generieren bei den Kunden. Erst dann geht es und ab dann funktioniert es, sonst bist du im absoluten Billigsegment. Was wurscht ist, was komplett egal ist, da geht nur der Zweck, weiß-rot, drei, vier, fünf Euro. Aber alles, was über fünf Euro ist und dann ab zehn Euro, ab dann, dann wird schon gefragt, da war ich mal dort im Sommer, das war so klasse. Oder dort war ich im Sommer, der ist Kaffee nie mehr, da habe ich kein Gesägen von der Familie. Also das ist dann schon sehr emotional, persönlich.
GEORG HOFFELNER
Na voll. Also kann ich aus der eigenen Erfahrung berichten, sage ich immer wieder gern, meine Mutter, wenn die Winzerin oder Winzer nicht sympathisch war, schmeckt der Wein auch nicht. Wohingegen, wenn ich sie blind eingeschenkt habe, danach, hm, guter Wein, ne?
ARMIN TEMENT
Ja, das ist er. Das ist absolut so.
GEORG HOFFELNER
Weil du Bordeaux angesprochen hast, da musst ihn nochmal kurz einhaken jetzt zum Schluss, da werden ja tatsächlich, man mag es nicht glauben, weil gerade der Rotweinkonsum anscheinend sehr, sehr stark zurückgeht, Rebflächen gerodet, was macht das mit dir, wenn du sowas hörst? Blutet da das Winzerherz oder?
ARMIN TEMENT
Ja, ich sage einmal, wenn jetzt auf der ganzen Welt nur ein Bruchteil, ein Prozent weniger getrunken wird, dann ist sofort eine Überproduktion da. Und wenn ich das jetzt auf die Steiermark zurückprojiziere, es war einmal vor zig Jahren, waren wir schon mal auf der Größe, auf die wir jetzt waren, also wir sind irgendwo bei 5000 Hektar. Und man hat wahnsinnig viel ausgepflanzt, aber ich muss ehrlich sagen, und ich glaube momentan, auch in der Steiermark gibt es zu viele Weingärten. Und vor allem sind die neu ausgepflanzten Weingärten nicht historische Flächen, sind nicht Flächen, die vielleicht besonders geeignet sind, oder nicht immer nur besonders geeignet sind, sondern es sind oft Flächen, die im Grenzbereich stehen, die einfach gut maschinell bearbeitbar sind, die über die Klimaerwerbung vielleicht jetzt in Frage gekommen sind, oder Bulls vielleicht qualitativ nicht ganz so gut sind. Ist ja grundsätzlich kein Problem. Nur was passiert ist am Markt, das heißt, du hast auf einmal 1000 Hektar mehr steirischen Wein zu vermarkten. Aber wenn es der Markt nicht hergibt, vor allem in einem günstigen Segment, billig würde ich es gar nicht sagen, dann wird die Verdrängung losgetreten und dann gibt es eine Preisschlacht und dann drückt es natürlich auf alle Märkte. Und so ist es natürlich auch in Bordeaux oder in Frankreich, wo einfach jetzt Flächen ausgerissen werden, was einfach mehr kostet die Produktion, als was der Weinpreis hergibt. Und das ist einfach eine natürliche Entwicklung. Und in der Steiermark muss man sich auch die Frage stellen, also es ist wahrscheinlich so viele Pachtflächen, wie wir jetzt heuer im Winter angeboten gekriegt haben, überhaupt noch nie der Fall. Wahnsinn, ja. Und das gibt mir schon zu denken, dass man wirklich manchmal nachdenkt, was für einen Wein will ich machen. Reicht es, wenn ich einen Wein mache, der einen Allerweltsgeschmack hat, wenn ich austauschbar bin? Oder muss ich wirklich so in die Tiefe gehen und ich muss mir auf ein gewisses Level hinstellen, dass es wieder so interessant wird. Aber der Markt ist trotzdem auch nur beschränkt. Du kannst ja nicht von heute auf morgen, sondern du musst die Steiermark in gesamten, wahrscheinlich zehn Jahren arbeiten, dass du da ein bisschen eine Bewegung hinkriegst. Und so gibt es immer Entwicklungen.
GEORG HOFFELNER
Würdest du das als wichtig empfinden, dass es einen klareren, gesamtsteirischen Weintypus, Weingeschmack gibt?
ARMIN TEMENT
Ich glaube, das wäre schon enorm wichtig. Wenn es jetzt hergehst, Chablis in Frankreich, eine Appellation in der Burgund, wo Chardonnay produziert wird, die haben so ein ganz klares Geschmacksprofil. Und die haben das behalten, haben auch Riesenkrisen gehabt. Aber was du nur dort produzieren kannst, vom Geschmack, wo es nirgendwo anders geht, bist du auf sich trotzdem beständig. Wir haben in der Steiermark jetzt, sage ich mal, mit Leitsorte Sauvignon Blanc, eine Sorte, die auf der ganzen Welt produziert wird und meistens sehr technisch. Das stimmt. Und dann wird es dann schon wieder schwierig, weil was gibt es für einen Grund, dass ich einen steirischen Wein trinke, der wie ein Neuseeländer schmeckt? Oder und dann vielleicht preislich notairer ist. Also da gibt es keinen Grund. Und das ist halt ein Stein. Da gehört natürlich auch die ganzen Schulungen, als ob du das Sommelierbuch aufschlagst und Sorte Sauvignon Blanc, da steht Mango, Papaya, Maracuja. Ich meine, das kann auch kein steirischer Weg sein. Aber da gibt es halt immer viel zu arbeiten, viel zu tun. Und ich glaube, es ist auch eine Verantwortung von uns, dass man gewisse Wege einfach versucht, fortzugehen, obwohl es nicht leichter ist.
GEORG HOFFELNER
Also herausfordernde Zeiten, auch in der Steiermark, kann man das so sagen?
ARMIN TEMENT
Absolut, absolut. Also wir haben jetzt ein Glück wieder mit einem Jahrgang 24, der jetzt die Tage rauskommt. Eine wunderbare Balance zwischen Saftigkeit, Frucht und trotzdem nicht zu stereotypisch, sondern eine gewisse Schamanza mit sich bringt. Und ich glaube, dass sich der Jahrgang einfach auch gut entwickelt und vor allem für die Kunden greifbar ist. Das passt. Man hat sich wieder versucht, ein bisschen individuell, ein bisschen neue Wege zu gehen. Und ich glaube, dass das gut angenommen wird auf sich.
GEORG HOFFELNER
Also wenn du fünf Jahre, zehn Jahre in die Zukunft schaust, was würdest du dir für euch wünschen? Wie soll es dir darstellen?
ARMIN TEMENT
Naja, also es hat sich in der Steiermark jetzt die letzten Jahre viel entwickelt. DRC, Lagenerhebung, eine Klassifizierung steht im gesetzlichen Rahmen. Also da ist die Frage, ob man das braucht. Ich würde mir wünschen, generell für die Steiermark, dass man dazu steht, wie man ist, dass man auch diesen Geschmack anerkennt, dieses raue Klima, die Steillagen. Also man muss das spüren lassen. Man muss sich die Kunden einfach trauen zu sagen, okay, es kann Eckenkanten haben, es kann griffig sein. Es braucht nicht allglatt und Allerwelts Geschmack haben. Und ich hoffe, dass wir in der Steiermark einfach den nächsten Step schaffen. Also auch für uns, dass man sagt, also wir haben außergewöhnliche Weine, es gibt kaum ein Weinbaugebiet auf der Welt, das so filigrane, feine, aber langlebige Weine produzieren, die spät geerntet werden, die von der Klimaerwärmung noch in einen Bereich geschoben ist, wo du nicht im August ernten musst und so weiter. Also ich sehe da riesengroßes Potenzial und hoffe, dass wir da auch ankommen. Wenn du jetzt da im Westen anschaust, im Markt, das ist ja natürlich einer der Hauptmärkte, wenn du jetzt die ganzen Skiregionen, die Bergregion, wenn du da schaust, was wird getrunken, es wird wahnsinnig viel Wein getrunken. Aber ich sage jetzt natürlich Wetteliner, deutsche Riesling, Franzosen und so weiter, die Steiermark spielt da trotzdem eine untergeordnete Rolle. Und ich glaube, dass die Leute hoffentlich bald draufkommen werden, was sie vor der Haustür haben, was wirklich gut ist.
GEORG HOFFELNER
Das sind doch positive Schlussworte. Ich hoffe. Es ist allerdings noch nicht komplett der Schluss, denn eine Frage fehlt noch, lieber Armin. Okay, habe ich schon befürchtet. Ein Flascherl brauchen wir noch. Die letzte Frage, Weinpflicht oder Wahrheit? Zeig mir deinen aktuellen Kontostand, lieber Armin.
ARMIN TEMENT
Ja. Überleg kurz. Also es gibt zwei Konten, eins mit einem großen Minus und eins mit einem kleinen Plus. Okay. Aber ich glaube, dass das nicht so interessant ist. Wir haben jetzt da einen Riesenbaustelle vor der Tür und deswegen sponsere ich gerne eine Flasche für einen guten Zweck.
GEORG HOFFELNER
Sehr gut. Danke für das sehr informative und nette Gespräch, lieber Armin. Alles das Beste für euch, für die Zukunft und ich freue mich schon auf das nächste Aufeinandertreffen. Vielen Dank für den Besuch und war mir eine Freude und bis bald und jetzt trinken wir mal ein Glas Wein. Ja, genau. Und zwei Flascherl gibt es hier für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Also alles richtig gemacht. Perfekt. Dankeschön. Bis bald. Ciao.